Balu

Wie sagte eine Freundin zu mir als ich mein süddeutsches Kaltblut in den Hänger einlud um mich auf den Weg zur Sommerholz Ranch zu machen: ,,Er geht als Kind und kommt als Mann!”

Aber von vorne: Vor zwei Jahren kaufte ich mir Balu, ein einjähriges Süddeutsches Kaltblut und durfte mir lange Zeit anhören: "Was willst denn mit dem Ackergaul?” "Den kannst ja nur mit der Kutsche fahren!” "Na dann viel Spaß mit der müden Socke!”

Als es dann langsam Zeit wurde sich nach einem Ausbildungsplatz für ihn umzusehen, traf ich überall nur auf Vorurteile. Da bekam ich durch Zufall den Tipp: ,,Sommerhoiz Ranch” in Angelbrechting;Poing, Obwohl ich grosse Hoffnungen bei dem ersten Termin hatte, dachte ich schon wieder an die typischen Bemerkungen gegenüber meines ,,Dicken”. Auf dem Hof angekommen, streckten mir gleich 5 süddeutsche Kaltblüter ihre riesigen Köpfe entgegen und ich dachte mir "hier bist Du richtig!” Es folgte ein Gespräch über Reitweise, Haltung, Finanzielles... mit Petra Dürr. Das erste Mal, dass ich nicht abgewimmelt wurde als die Rasse ,,Süddeutsches Kaltblut” in Bezug auf Westernreiten fiel, ganz im Gegenteil. Als es dann hiess kein Pferd braucht länger als 3 Monate zum Einreiten kamen meine Zweifel: ,,Mein tolpatschiger Dicker soll in 3 Monaten einigermassen was können? Naja da wünsch ich ihr mal viel Spass!" Aber es klang schon ziemlich überzeugend und auch die nette Atmosphäre auf dem Hof sprach absolut für sich. Bereits am nächsten Tag rief ich wieder an und meldete Balu an.

Am 09.03.2003 war es dann so weit: Balu wurde in den Hänger geladen und ab ging die Post nach Angelbrechting. Dort wurden wir schon von Petra und Balus zukünftiger Pflegerin Sabine erwartet. Balu karn in seine neue Box, schloss gleich Freundschaft mit der Nachbarstute und als er rnerkte dass das Heu hier auch nicht viel anders schmeckte als zu Hause, war sein Interesse für meine Wenigkeit dahin. Ich hatte mir den Abschied schon etwas spektakulärer vorgestellt. Auf dem Heimweg hatte ich dann ein komisches Gefühl in der Magengegend, schliesslich war ich bis jetzt die Einzige die sich um ihn kümmerte und das Tag täglich zwei Jahre lang.

Beim nächsten Besuch war ich richtig aufgeregt und erhoffte mir eine herzliche Begrüssung. Als ich ankam ging ein vollkommen fertiges, zaundürres Pferd mit hängendem Kopf in der Führanlage und schon war er da, der Kloss im Hals. Was machten die mit meinern Pferd? Und als Petra dann kam und meinte ich sollte ihn heute in Ruhe lassen und Leckerlis gabs ab jetzt auch keine mehr, sprach das nicht gerade für meine Entscheidung ihn hierher zu bringen. Doch als mir dann erklärt wurde warum, wieso, weshalb und ich dann einige Wochen später auch den Bodenarbeitskurs mit Balu machte, verstand ich was da mit und in Balu vorging. Er war jetzt nicht mehr mein Baby das man verhätscheln und bemuttern musste, mit dem geschmust wurde und der sinnlos Leckerlis und Karotten ins Maul gestopft bekam. Er musste sich von nun an sein Lob verdienen und es gab kein Gebettel und Gehampel mehr. Der Babyspeck am Bauch war weg und wurde von hart erarbeiteten Muskeln ersetzt. Der “Bursch” wie Petra ihn nannte, wurde erwachsen. Während der Ausbildung von Balu musste auch ich mich weiterbilden und schon am 24.04.2003 war es dann soweit: die erste Reitstunde auf dem eigenen Pferd! Und alles lief prima und das schon nach 6 Wochen. Ich hatte es ja nicht für möglich gehalten!

Ich kam mit der Vorstellung hin dass Balu ein bisschen Schritt, Trab und Galopp im Gelände danach können würde, mehr erwartete ich ja auch gar nicht von meinem “Trampel”. Schliesslich glaubte ich insgeheim auch ein bisschen an all die Vorurteile. Doch während dieser und den folgenden Reitstunden merkte ich wie sensibel und zugleich fetzig Kaltblüter sein können. Ich hatte eher Schwierigkeiten ihn zu bändigen als dass er zu faul wäre.

Bald durfte ich Balu auch alleine ausserhalb des Unterrichts reiten und von mal zu mal lief es besser. Als ich nach 10 Wochen Fotos von ihm machte und mir die alten Fotos vor Poing anschaute, erinnerte ich mich an meine Freundin: “Er geht als Kind und kommt als Mann!” Eine bessere und kürzere Beschreibung war nicht zu finden.

Als das Ende von Balus Aufenthalt immer näher rückte dachte ich über unsere Zeit auf der Sommerholz Ranch nach. Es war sowohl für Balu als auch für mich eine lehrreiche und tolle Zeit. Alle Einsteller, Schüler und Mitarbeiter sind aus dem selben Holz geschnitzt: herzlich und unkompliziert, und unter der strengen und konsequenten Aufsicht von Petra liegt auf dem Hof weder ein Pferdeapfel noch Pferdehaare. Dank ihrer hervorragenden Organisation klappt auch das Zusammenleben von Einstellern und Reitschülern. Auch der Stallbesitzer Max Ascherl und die Mitarbeiterinnen und Praktikantinnen Sabine, Anja und Jana, die bei Fragen und Sonderwünschen immer freundlich waren und gerne halfen, sind zu loben.

Ein toller Hof auf dem man auch nach dem Unterricht gerne noch ein Stündchen zum Ratschen bleibt. Balu und ich kommen schon in einem Monat wieder, denn der nächste Kurs ist schon gebucht...

Marion Wittmann

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Für den abschließenden Nachmittag überließ Petra uns die Qual der Hinderniswahl. Diese fiel zum einen auf die Brücke, die ebenfalls beinahe lebensecht - relativ eng, mit Wölbung und Geländer - auf dem Außenplatz der Sommerholz Ranch steht, desweiteren auf die Plastikplane - ein Hindernis eher mit “Trau-Dich” Charakter, und, last not least, das heiß geliebte Gatter, als Wiederholung. Die Brücke machte, obwohl nicht allen Pferden bekannt, kaum Probleme und verhalf damit jedem von uns zu einem relativ schnellen Erfolgserlebnis.

Von diesem mußten einige dann allerdings an der Plane auch zehren, da die Skepsis der Pferde hier zum Teil erheblich war. Die genauen Anweisungen von Petra, wie der Reiter sein Pferd konsequent an und letztlich über das Hindernis zu reiten hat, ohne daß mindestens einer von beiden schlechte Erinnerungen behält, verhinderte hierbei die eine oder andere Sackgasse. Das Gatter klappte dann bei allen besser als am Vortag und verhalf damit wieder zu einem kleinen Erfolgserlebnis. Den krönenden Kursabschluß bildete ein “echter” Trailparcours, inklusive festgelegter Gangarten und -wechsel in den Distanzen zwischen den Hindernissen, also ganz nach Vorschrift.

Ergänzt wurden die praktischen Übungen an beiden Tagen durch Theorieeinheiten, in denen einige Trailhindernisse hinterfragt und erklärt wurden und in denen wir Einblick gewannen in die (durchaus umfangreichen) Vorschriften für die sinnvolle und ordnungsgemäße Gestaltung eines Trails. Ein besonderes “Schmankerl” in den Theoriestunden waren die an beiden Tagen aufgenommenen Videos, mit deren Hilfe Petra sowohl eine Sitzanalyse für jeden Teilnehmer durchführte, als auch die festgehaltenen Fehlerquellen an den Hindernissen nochmal durchging und kommentierte.

Mir hat dieser Kurs riesig Spaß gemacht - und ich glaube, den anderen ging es ähnlich. Darüber hinaus ist mir eines klar geworden: Ein “ordentlich” durchgeführtes Trailreiten ist nicht nur eine willkommene Abwechslung, sondern auch eine sinnvolle Ergänzung für das Übungsprogramm von Reiter und Pferd, und zwar für alle Reitweisen.

Viele Anregungen dafür habe ich an diesem Wochenende mitgenommen, und jetzt heißt es: üben, üben, üben... Dann winkt vielleicht aucht mal der Fortgeschrittenen-Kurs, wer weiß?

Silke Brockmann

 

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Gesetze des Lebens:

  • Lebe so, dass Du nicht immer zurückschaust und bereust, dass Du Dein Leben vertan hast!
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  • Lebe so, dass jeder Tag eine Perle wird - für Dich und für andere!

    In der Reihe der Tage, die Dir geschenkt sind - LEBE!

    (Elisabeth Kübler-Ross, amerk.-schweiz. Psychiaterin, geb. 1926)

 



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