Rambo

Westernreiten mit einem Kaltblut“, sowas gibt’s doch gar nicht. Mit einem Kaltblut kann man allenfalls fahren, aber reiten? Solche und ähnliche Sprüche konnte ich mir pausenlos von anderen “Reitern“ anhören.

Rambo, mein Noriker, ging schon langsam auf das 7. Lebensjahr zu und sollte eine fundierte Ausbildung im Westernreiten erhalten. Westernställe sind in meinem Wohnbereich dünn gesät, und bei den wenigen, die es gibt, werden hauptsächlich Quarter-Horses oder Warmblüter ausgebildet.

Ich gab die Suche aber nicht auf und wie durch ein Wunder erfuhr ich von der Sommerholz-Ranch in Angelbrechting, und von Petra Dürr, die auch bei der jährlichen „Bayern-Pferd“-Ausstellung in München ein Kaltblut im Westernreiten vorstellte. Sofort nahm ich Verbindung auf, erst telefonisch und dann persönlich. Ich vereinbarte eine Einzelreitstunde auf ihrem Pferd „Jonny“ und war mir danach sicher, daß nur sie für eine Ausbildung meines ”Rambo“ in Frage kommt.

Bei ihr hatte ich von Anfang an das sichere Gefühl, daß sie für eine derartige Ausbildung kompetent und mein Pferd bei ihr in besten Händen ist. Bereits nach dieser ersten Stunde stellt ich fest, daß sie die für Reitlehrer wichtige Gabe hat, dem Reitschüler verständlich zu vermitteln, worauf es beim Reiten ankommt.

Da mindestens 8 Wochen, besser aber 12 Wochen Dauer für eine Grundausbildung anzusetzen sind, entschied ich mich für die 2. Variante und konnte mein Pferd ab 11.Januar bei Petra ausbilden lassen. Rambo bekam einen Offenbox mit Paddock, und hat sich gleich, obwohl es an diesen Tagen bis –15 Grad kalt war, sehr wohl gefühlt. Wir vereinbarten, daß sie das Pferd erst mal 14 Tage unter ihre “Fittiche“ nimmt, um ihn kennenzulernen und ihm die Grundbegriffe beizubringen.

Die Reitanlage von Max Ascherl, in der Petra die Ausbildung vornimmt, ist optimal dafür gestaltet. Reithalle (nicht zu groß), Führanlage, Außenplätze (Sand u. Wiese) ,Koppeln, alles von den Angestellten bestens in “Schuß“ gehalten, die Pferde fühlen sich offensichtlich wohl. Auch die Fütterung ist auf die Anforderungen abgestellt, Herr Ascherl verwendet nur Futter aus dem eigenen Landwirtschaftsbetrieb.

Als Petra mir nach 14 Tagen Rambo vorritt, traute ich meinen Augen nicht, was dieser schon alles gelernt hatte und wie er unter dem Sattel ging. Bevor ich nun die erste Reitstunde auf meinem Pferd nahm, befaßte ich mich unter Anleitung von Petra mit der „Chiron-Methode und dem Entlastungssitz“.

Chiron-Methode, Entlastungssitz? Bei der Chiron-Methode nach Rolf-Becher, entwickelt auf der Grundlage der Caprilli-Methode (Caprilli war italienischer Cavallerie-Oberst um 1900) hat man wesentlich kürzere Bügel, der Hintern wird wie ein Entenpopo nach hinten rausgestreckt, die Schultern tief genommen, Knie kommen dadurch auch etwas zurück, Schultern/Knie/Wade/Fuß bilden eine Linie – dadurch entsteht das sog. Fundament.

Die Füße werden etwas weiter in die Bügel geschoben, leichtes Hohlkreuz, und die Hände können auf dem Pferdehals abgestützt werden. Vergleichen kann man den Sitz mit der Ski-Abfahrtshocke, man sitzt absolut im Gleichgewicht und das Gewicht bleibt, wo es ist und geht nicht wie oft angenommen auf die Vorhand. Für den Reiter beinhaltet das Erlernen des CHIRON-Sitzes etwas völlig neues, der Sitz wird als FUNKTION erlernt und nicht als Formreiten. Der Chiron-Sitz ist für den Reiter selbst eine hervorragende sportliche Übung.

Die lange Rückenmuskulatur und die Muskeln im Oberschenkel werden für Ausdauer und Haltearbeit trainiert. Gleichzeitig werden alle Muskeln an der Rückseite des Körpers, von der Achillessehne über die Gesäßmuskulatur bis zum langen Rückenmuskel gedehnt. Beide Effekte helfen Rückenerkrankungen vorzubeugen. Meine eigenen Rückenschmerzen waren jedenfalls nach jeder CHRION-Sitzreitstunde wie weggeblasen. Und dem Pferd tut man ja auch Gutes. Das merkt man spätestens dann, wenn man den Sitz etwas beherrscht und mit dem Pferd schön im Takt richtiggehend “dahinschwebt“. Und ich hätte am Anfang nicht geglaubt, daß solche Momente bereits nach 9 Unterrichtsstunden möglich sind.

Eines muß man auch bedenken: Man sollte anfangs, auch wenn es noch so schön ist, die Chiron-Sitz –Phase nicht zu lange ausdehnen, damit einen nicht plötzlich die Kraft verlässt, man in den Sattel fällt, und das Pferd auch nicht mehr weiß, was los ist bzw. wie es sich verhalten soll. Zum Glück entgeht Petras scharfen Augen kaum etwas, so dass sie einem immer wieder verbal helfen kann.

Die Grundausbildung des Pferdes und die Reitstunden für mich haben mir viel gebracht. Ich kann diese Ausbildung jedem Reiter mit gutem Gewissen empfehlen. Natürlich gibt es noch viel zu lernen, aber nach dieser soliden Ausbildung kann ich gut darauf aufbauen.

Als ich, wie mir vorkam, nach viel zu schnell vergangenen 12 Wochen, den Stall verließ, bedauerte ich, dass mein Wohnort 120 km weit entfernt liegt. Sonst wäre ich sicher für immer mit meinem Pferd auf der Sommerholz-Ranch geblieben.

Uli Zech

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  • Lebe so, dass Du nicht immer zurückschaust und bereust, dass Du Dein Leben vertan hast!
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  • Lebe so, dass jeder Tag eine Perle wird - für Dich und für andere!

    In der Reihe der Tage, die Dir geschenkt sind - LEBE!

    (Elisabeth Kübler-Ross, amerk.-schweiz. Psychiaterin, geb. 1926)

 



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