Westernreitabzeichen

Erfahrungen eines Prüflings

 Ich glaube, dass jeder Reiter - egal welcher Stil ihm Eigen ist - das Bedürfnis nach Bestätigung seiner Leistung hat und dabei natürlich auch sein Pferd einbeziehen möchte. Weil nun alle irgendwann einmal klein anfangen, steht das Kleine Reitabzeichen - natürlich nach Ableistung des Basispasses - bei der "Englisch-Reiterei". Und das hatte ich eigentlich gelernt und auch für ganz gut gefunden. Ich kam damit gut zurecht und war eigentlich der Überzeugung, gar kein so schlechter Reiter zu sein. Aber der interessierte Leser scheint nun schon zu ahnen, was kommt.

 Ich weiß nicht, welcher Teufel mich ritt, kam ich auf die Idee auch ein solches Abzeichen zu absolvieren. Und weil ich die Hierarchie des englischen Reitens umgehen wollte - dauert schließlich alles zu lange und Zeit ist Geld - entschloss ich mich (siehe obigen Teufel), für das Westernreitabzeichen in Bronze.

 Nicht nur so aus Jux, sondern weil ich auf meinem Karriereweg als Krankengymnast die Physiotherapie zu Pferde für mich entdeckt hatte. Das Abzeichen berechtigte mich zur Teilnahme an weiteren Lehrgängen.

 So weit so gut. Aber wo macht man so was, wenn man aus Heilbronn kommt ? Natürlich dort, wo ein Team so gute Arbeit macht, dass dessen Ruf bis ins Nordwürttembergische reicht - im Feindesland des VfB Stuttgart.

 Die Anreise zum Sichtungslehrgang war problemlos und ging sehr schnell vonstatten - vielleicht deshalb, weil mir Zweifel an der Richtigkeit meines Entschlusses kamen. Ich sollte nämlich fairerweise dazusagen, dass meine Kenntnisse in Bezug auf das Westernreiten sich darin beschränkten, zweimal in einem Westernsattel auf einem Pferd mit hannoveraner'schen Zäumung gesessen zu sein. Bedenken erlaubt - oder?

 Nun, der Empfang war ueberaus herzlich - einfach super-bajuwarisch (mir wurde schlagartig klar, wieso ich schon immer nach Bayern umziehen wollte).

 Nach einer kurzen Einfuehrung kam Petra zum Kern des eigentlichen Lehrganges, denn was sind schon eine Handvoll Reiter ohne Pferde. Die meisten hatten ihre eigenen Pferde dabei. Ich sollte nun mit noch zwei "Leidensgenossinnen" ein Leihpferd bekommen. Der Gang Richtung Koppel gestaltete sich sehr interessant, weil wir dabei an einer Handvoll Kaltblueter vorbeikamen, die mich irgendwie auf Grund ihrer Gestalt und Masse tief beeindruckten - von denen ich aber bis zu diesem Zeitpunkt davon ausging, dass diese eigentlich - man verzeihe mir meine primitive Ausdrucksweise - auf den Acker, in den Wald oder vor eine Brauerei-Kutsche gehoeren. Hier zeigte es sich, dass Wahrheit und Irrtum nahe beieinander liegen. Petras Wahl fiel auf ein Ungetüm namens Kobold. Dabei zeigte sie für mich völlig unverständlich auf MICH UND auf KOBOLD.

 Ab dem Zeitpunkt waren dieses Monster und ich nun ein Paar. Der Brauereigaul und sein Kutscher. Schei..., irgendwie hatte ich mir das anders vorgestellt.

 Es stellte sich jedoch bald heraus, das alle Bedenken vollkommen unnötig waren. Kobold zeigte sich eigentlich immer von seiner besten Seite - hat er überhaupt eine Schlechte?

 Für mich bedeutete es eine große Umstellung - von meinem 160-cm-Oldenburger-Reitbeteiligungspferd auf den zwar ebenso großen / kleinen aber doch um einiges breiteren Kobold. Aber auch diese Hürde war zu meistern. Jedoch zeigte sich im Verlauf des Vorbereitungslehrganges, dass es mit meinen bescheidenen Kenntnissen in der Western-Reitweise noch einiger Einzelstunden - trotz Kobolds aktiver Mithilfe - bedurfte, bis die Prüfungsreife erreicht war. Hier haben mich Petra selbst als auch das gesamte Team super unterstützt. Die Einzelstunden im Round-Pen und auf dem Platz haben mich auf diesem Super-Pferd (tja, so ändert sich eine vorgefasste Meinung - ich glaube, man darf auch Vorurteil dazu sagen) letztendlich in einen Zustand der Hoffnung versetzt, die Prüfung doch mit Anstand hinter mich zu bringen. Auch im eigentlichen Prüfungslehrgang war Kobold bis auf wenige Ausnahmen (in denen Petra ihn mal wieder richtig 'rannahm und ihm seine Grenzen aufzeigen musste) immer ein toller und verlässlicher Partner, der in seiner Feinfühligkeit und seinem guten Gespür fuer Situationen, in denen es um etwas geht einer anderen Rasse in Nichts nachsteht.

 Die Prüfung nahte, die Generalprobe ging pflichtgemäß voll in die Hose und die eigene war schon vorher voll. Aber das Vertrauen in Kobolds und vielleicht auch ein bisschen in meine Fähigkeiten war ungebrochen.

 Dank einer wirklich phantastischen Organisation verlief die Prüfung selbst sehr zügig. Die kleinen Ausrutscher bei der Horsemanship waren ausschließlich meine Schuld. Dafür zeigte sich Kobold beim Trail und im Gelände mal wieder von seiner einzigen (das habe ich glaube ich schon erwähnt) guten Seite und war fast nicht mehr zu bremsen. Ergebnis: Bestanden. Ziel erreicht. Freund gewonnen. Abbitte gegenüber einer tollen Rasse geleistet. Einige Tränen beim Abschied vergossen. Grosse Freude bei einem hoffentlich baldigen Wiedersehen.

 Und: vielleicht kauf ich ihn doch?!

Jürgen Pagel

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    In der Reihe der Tage, die Dir geschenkt sind - LEBE!

    (Elisabeth Kübler-Ross, amerk.-schweiz. Psychiaterin, geb. 1926)

 



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